eine winterreise Michael Wollny
Album Info
Album Veröffentlichung:
2026
HRA-Veröffentlichung:
30.10.2026
Label: ACT Music
Genre: Classical
Subgenre: Instrumental
Interpret: Michael Wollny
Komponist: Michael Wollny, Kate Bush (1958), Franz Schubert (1797-1828), Louis Cole
Das Album enthält Albumcover Booklet (PDF)
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- Michael Wollny (b. 1978): ich schreibe nur im gehen:
- 1 Wollny: ich schreibe nur im gehen 03:25
- wetterfahnen:
- 2 Wollny: wetterfahnen 01:59
- schlag und schritt:
- 3 Wollny: schlag und schritt 02:50
- innehalten:
- 4 Wollny: innehalten 01:12
- Björk Guðmundsdóttir (b. 1965): aurora:
- 5 Guðmundsdóttir: aurora 02:46
- Michael Wollny: ich such im schnee vergebens:
- 6 Wollny: ich such im schnee vergebens 02:03
- Kate Bush (b. 1958): snowflake:
- 7 Bush: snowflake 04:30
- Michael Wollny: fahlschatten:
- 8 Wollny: fahlschatten 01:31
- irrlichter:
- 9 Wollny: irrlichter 02:57
- ein lindenbaum (from Winterreise, D. 911, Arr. Wollny):
- 10 Wollny: ein lindenbaum (from Winterreise, D. 911, Arr. Wollny) 03:02
- Louis Cole (b. 1986): cloud of flies:
- 11 Cole: cloud of flies 03:23
- Franz Schubert (1797 - 1828): im dunkeln wird mir wohler sein / die nebensonnen (from Winterreise, D. 911, Arr. Wollny):
- 12 Schubert: im dunkeln wird mir wohler sein / die nebensonnen (from Winterreise, D. 911, Arr. Wollny) 04:37
- Michael Wollny: schneeland:
- 13 Wollny: schneeland 01:00
- Franz Schubert: steht ihm nimmer still / der leiermann (from Winterreise, D. 911, Arr. Wollny):
- 14 Schubert: steht ihm nimmer still / der leiermann (from Winterreise, D. 911, Arr. Wollny) 03:36
Info zu eine winterreise
Einsamkeit, Ungewissheit, die Suche nach dem richtigen Weg – für den Pianisten Michael Wollny stecken all diese für unsere Zeit so gewichtigen Themen in Franz Schuberts „Winterreise“. Das Soloalbum „eine winterreise“ ist Wollnys Re-Imagination des ikonischen Liedzyklus, ein ganz eigener Pfad durchs Eis, mit Fragmenten des Originals, neu komponierten Passagen, freien Improvisationen und Motiven von Kate Bush, Björk und Louis Cole. Ganz und gar heutige Klaviermusik mit tiefen Wurzeln, voller Kontraste, schroff, schön und rätselhaft.
„Die Themen von Schuberts Winterreise fassen einen ganz unmittelbar an, man muss das gar nicht intellektualisieren, das reine Hören des Originals bewegt so viele ganz grundlegende menschliche Fragen in einem. Über das Alleinsein, über erfüllte und enttäuschte Liebe, über Anfang und Abschied und vieles mehr“, beschreibt Wollny. „Es ist auch eine Meditation über das Gehen - das Vorankommen in einer Zeit ohne verlässliche Orientierung, ohne sicheres Ziel, ohne Gewissheiten. Mich begleitet diese Musik schon mein ganzes Leben lang, ich habe sie in den unterschiedlichsten Zeiten und Gemütszuständen gehört und ganz allgemein auch immer wieder Motive von Schubert in meine eigene Musik einfließen lassen – und irgendwann sickert da so eine Vorstellung davon durch, wie man sich dem Thema in der eigenen musikalischen Sprache nähern könnte.“
Wie das Original ist auch Michael Wollnys „eine winterreise“ eine Sammlung von Charakterstücken, die zusammen eine große Erzählung bilden. Wollny nähert sich zentralen Themen des Originals, geht dann ganz weit nach draußen, um später wieder zu ihnen zurückzukehren. „Es ging mir darum, die Elemente meiner Reise ähnlich wie auf einer Theaterbühne zu inszenieren. Es gibt eine Choreographie der Stimmungen, eine genaue Szenenfolge, aber auch ein Art Traumlogik zwischen den Liedern. Also, dass bestimmte Elemente, die in einem Song eine Rolle spielen, später in veränderter Form wieder auftauchen.“ Aus „Wetterfahne“ werden „Wetterfahnen“, aus dem „Irrlicht“ entstehen „Irrlichter“, andere Songtitel deuten mit Textfragmenten aus dem Original auf Wollnys künstlerischen Prozess hin - wie bei „Ich schreibe nur im Gehen“ oder „Ich suche im Schnee vergebens“.
Seine Annäherungen an die Schubert-Motive verwebt Wollny mit Popsongs, die für ihn in diesem Zusammenhang eine besondere Bedeutung haben: Björk, hier vertreten in Form von „Aurora“, ist für ihn eine Dauerbegleiterin, ihr Album „Vespertine“ ein wichtiger Kompass. Die Beats des Originalstück produzierte Björk unter anderem mit Samples von Fußschritten im Schnee. „Snowflake“, das Eröffnungsstück von Kate Bushs Album „50 Words for Snow“, ist für Wollny schlicht der persönlich liebste „Winter-Song, der sofort Bilder von Schneefall und verschneiter Landschaft entstehen lässt“. Der ungewöhnlichste Fremd-Titel stammt von Drummer, Produzent und Komponist Louis Cole: „Cloud of Flies“ beschreibt den Moment der Erkenntnis, das eigene Leben verpasst zu haben, eine Textzeile aus dem Original lautet: „Now when you open your backdoor, the air has never felt so cold before.“
Neben den musikalischen Inspirationen war auch der Aufnahmeort, der im 16. Jahrhundert erbaute „Reitstadel“ im bayerischen Neumarkt, ein wichtiger Einfluss für das Album. Wollny: „Der Raum hat eine wahnsinnige Aura. Die Anzahl der Klavieraufnahmen, die dort entstanden sind, übersteigt jedes Maß. Die Idee, dorthin zu gehen kam von ACT-Chef Andreas Brandis, ich kannte natürlich viele der Aufnahmen, aber abgesehen davon war es für mich ein Blind Date, mit dem Ort und auch mit dem Flügel, was sich aber als totaler Treffer erwiesen hat. Der Raum hat eine kristalline Klarheit, die grandios zum Winterthema des Albums passt. Der Klang des Flügels wurden dynamisch in keiner Weise nachbearbeitet, alles klingt so, wie es im Raum entstanden ist.“
In vielerlei Hinsicht ist die Entstehung von „eine winterreise“ eine Reise an sich. Wollny: „Für mich gab es auf diesem Weg immer wieder große Begeisterung, aber auch große Zweifel, vielleicht stärker als bei irgendeiner Aufnahme zuvor. Ich habe vermutlich noch nie mit so großer formaler Strenge gearbeitet - ich bin über einen ganz großen Berg gewandert und am Ende an einen Ort angekommen, wo sich die Dinge plötzlich schön, schräg und stimmig anfühlen - und an dem ich auch ein wenig flüchtige Klarheit darüber bekomme, wo ich selbst in diesem Moment stehe.“
Das scheint besonders relevant in einer Zeit, in der sich die Frage nach dem Wert des Menschlichen in der Kunst stellt. Wollny: „Im Moment wird oft suggeriert, dass alles, was noch schneller geht, besser ist oder alles, was noch weniger Aufwand erfordert, produktiver. Diese Fokussierung auf das reine Ergebnis verliert aber den Wert des Prozesses aus den Augen und auch den Wert der Erkenntnisse, die sich innerhalb dieses Zeitraums ergeben. Einen Prompt zu schreiben, dauert nur ein paar Sekunden, künstlerische und persönliche Entwicklung ein Leben lang. Warum ich bei diesen Fragen dann doch wieder ein bisschen optimistisch bin? Weil sie in uns auch wieder die Vernunft fördern. Jede Welle erzeugt eine Gegenwelle, sowohl in einem selbst als auch in der Gesellschaft. Irgendwas regt sich gerade, weil wir spüren, dass etwas ganz Ureigenes, Menschliches unter Druck gerät, das einen unschätzbaren Wert besitzt.“
Michael Wollny, Klavier
Aufgenommen im Mai 2026 im Reitstadel, Neumarkt in der Oberpfalz
Aufnahme: Martin Ruch
Mischung und Mastering: Martin Ruch
Produktion: Michael Wollny
Executive Producer: Andreas Brandis
Keine Biografie vorhanden.
Booklet für eine winterreise
