Hausmusik Ceeys

Album Info

Album Veröffentlichung:
2020

HRA-Veröffentlichung:
08.10.2020

Label: Neue Meister

Genre: Instrumental

Subgenre: Piano

Interpret: Ceeys

Das Album enthält Albumcover

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Formate & Preise

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FLAC 44.1 $ 12,00
  • Ceeys:
  • 1Vice Versa04:57
  • 2Reunion (Extended Version)07:58
  • 3Im Fenster (Extended Version)06:32
  • 4Circa08:46
  • 5Belka07:30
  • 6Strelka09:01
  • 7To Open a Door's Inner Frame08:25
  • 8Fallen (Extended Version)06:05
  • 9Yes, Brick by Brick05:20
  • 10No. Eins05:32
  • 11Fallen04:04
  • 12Im Fenster04:38
  • 13Reunion04:57
  • Total Runtime01:23:45

Info zu Hausmusik

Die in Potsdam ansässigen Brüder Sebastian und Daniel Selke haben sich in ihrer gesamten Karriere immer wieder mit Themen ihres kommunistisch geprägten ostdeutschen Erbes befasst. Die durch ihre Musik geretteten Erinnerungen sind bei weitem nicht nur historischer, sondern vor allem emotionaler Natur. Es ist eine Rückbesinnung auf ihre Vergangenheit: die Kindheit und Jugend im Ostberlin des letzten Jahrzehnts der DDR und der Nachwendezeit. Im Kern kann die Musik des Duos wie ein Dialog zwischen Brüdern über ihre Erziehung und ihre Erfahrungen gehört werden, ein Gespräch, das durch Sebastians Cello und Daniels Klavier Form erlangt und sich im gemeinsamen Spiel zu CEEYS vereint.

Der inhärente Dualismus beschränkt sich dabei nicht nur auf die Art, in der die beiden Musiker ihre Instrumente miteinander verbinden. Parallel zu ihrer klassischen Ausbildung entwickelten die Brüder schon früh ein Interesse an zeitgenössischen Ideen von Musik. Dieses Verständnis hat sich in ihrer Zusammenarbeit zu einem kontinuierlichen Narrativ über ihr Aufwachsen in der DDR sowie die architektonische und gesellschaftliche Umgebung, die sie als Musiker und Persönlichkeiten geprägt hat, gefestigt. „Unsere Kindheit und Jugend wurde tagtäglich von Einschränkungen und dem Umgang mit Materialmangel begleitet. Die Erinnerungen, Eindrücke und Gefühle, die zwei Seiten der Medaille – der Mauer – helfen uns dabei, die heutige Zeit ein bisschen besser zu verstehen“, erklären CEEYS.

Nun ist ein direktes Nachfolgewerk zu den Alben WÆNDE und HIDDENSEE erschienen, die ebenfalls bei Neue Meister veröffentlicht wurden: HAUSMUSIK spielt auf die unausgesprochene, kommunikative geistige Einheit der Brüder an. „Wir müssen uns nichts vormachen, schließlich kennen wir uns seit der Geburt“, sagt Daniel. „Es gibt keine Grenze zwischen Arbeit und Privatleben. Bei uns ist alles im Fluss“, fügt Sebastian hinzu.

Das Album hebt ihren unverkennbaren Stil auf eine weitere Ebene. Verwenden sie für gewöhnlich Elektronisches, Synthesiser aus dem ehemaligen Ostblock und Effekte, so formt sich ihr Klang diesmal aus dem innewohnenden Potential, ihrer beiden Hauptinstrumente Cello und Klavier. Vice Versa, der erste Titel des Albums, zieht die HörerInnen in eine rein akustische Klangwelt. Es ist von Anfang an klar, dass Improvisation auf dem Album eine wesentliche Rolle spielt: Das Stück versetzt die HörerInnen Schritt für Schritt in eine leicht spielerische Stimmung, wobei diese jugend-liche Leichtigkeit noch dadurch unterstrichen wird, dass die Brüder für diesen Titel die Instrumente tauschten. Im Laufe des Albums erhalten verschie-dene Gefühle Ausdruck, doch die Emotionalität erhält immer einen kraftvollen Ausgleich, sodass eine melodische Balance entsteht. Der Titel Reunion ist mit seinen Strukturen und sich wieder-holenden Pattern ein Beleg dafür, dass CEEYS für einen experimentellen und doch zugänglichen Minimalismus stehen. Er vermittelt eine tiefe Sehnsucht, die im Einklang mit dem bisherigen Werk des Duos steht, und ist das sentimentalste Stück auf dem Album. Wenn wir Belka, den letzten Titel der ersten von zwei Platten, erreichen, sind wir bereits tief in neuen, avantgardistischen Gefilden versunken und tauchen mit Teil 2 noch tiefer in akustische Landschaften und Erinnerungen der Brüder. Lose Melodien verweben sich zu alternativen Formen von Perkussion und Rhythmen und präsentieren die hundertjährigen Instrumente auf futuristische Art und Weise.

HAUSMUSIK sucht Zuflucht in einer rein akusti-schen Welt und präsentiert eine ernste und doch leicht dynamische Stimmung. Die Kompositionen muten zum Teil bekannt an, setzen sich aber gleichzeitig auf erfrischende Weise ab und spiegeln die Myriaden von Klängen, die Sebastian und Daniel in ihrem Leben aufgenommen haben. Frühe Einflüsse wie Bach, Beethoven und Debussy sind hier genauso herauszuhören wie die fast verges-senen Kompositionen von ostdeutschen Musik-gruppen wie Toni Krahls Rockband CITY, Frank Fehses Synthesiserduo KEY und Reinhard Lakomys Das Geheime Leben und seine Kinderlieder auf Der Traumzauberbaum. Es gibt auch Anklänge von Arvo Pärt, Arthur Russell und Philip Glass sowie von zeitgenössischen KomponistInnen wie Greg Haines, Hauschka, Nils Frahm, Colin Stetson und Sarah Neufeld.

Der kreative Prozess der Selkes liegt in der Neuentdeckung der Vergangenheit. Dies formt ihre heutige Weltsicht – eine Renaissance vermeintlich gelöster Konflikte, die in neuem Gewand daher-kommen: neue Grenzen und Mauern, ein Wieder-aufleben des Kalten Krieges, Abwendung von Freunden, Diskriminierung von Dissidenten, neue Formen der Tyrannei. Doch trotz aller historischen Schwierigkeiten und Herausforderungen war die Kindheit ein Ort und eine Zeit mit spiritueller Bedeutung für die Brüder Selke. Zentrales Element von HAUSMUSIK mit all seinen inhärenten Spannungen ist die Suche nach Balance und Harmonie.

CEEYS




CEEYS
sind die in Berlin geborenen und in Potsdam ansässigen Brüder Sebastian und Daniel Selke, ein Cello-Piano-Duo, mit einer faszinierenden Mischung aus experimentellem aber zugänglichem Minimalismus, zwischen Avantgarde und Pop, der Elemente aus Jazz, Ambient und klassischer Kammermusik kombiniert.

‚Hybrid’ ist ein Wort, das im Vokabular von CEEYS schon immer eine große Rolle spielte. Seine Verwendung beschränkt sich jedoch nicht allein auf die Art, in der Cellist Sebastian Selke und sein Bruder, Pianist Daniel Selke, ihre beiden Instrumente miteinander verbinden. Wie schon der Name des Duos – welcher ‚VIOLONCELLE‘ (frz.: Cello) und ‚KEYS‘ (engl.: Tasten) zusammenbringt – spiegelt es ihre übergreifende Ästhetik wider, in der all jene Ebenen einfließen, die sie als Musiker und Menschen geprägt haben.

„Aufgewachsen im letzten Jahrzehnt der ehemaligen DDR versuchen wir unsere Erinnerungen, Eindrücke und Gefühle dieser hybriden Zeit in unseren Veröffentlichungen zu verarbeiten.“ - CEEYS

Der Gedanke, musikalische Grenzen zu überwinden, ist für Selkes nicht neu und hat für Sebastian und Daniel eine besonders starke Bedeutung: die beiden Brüder wuchsen in Ost-Berlin während des letzten Jahrzehnts der kommunistisch geprägten Deutschen Demokratischen Republik auf.

Ab dem fünften Lebensjahr musikalisch gefördert von ihren Eltern, der Schauspielerin Gabriele Selke und dem Radiomoderator Harald Selke, setzten die Brüder ihre Musikausbildung akademisch fort. Sebastian absolvierte sein Studium an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin, Daniel an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig. Während Sebastian zurzeit als Vorspieler für das Deutsche Filmorchester Babelsberg spielt, ist Daniel Dirigent und Dozent für Klavier und Kammermusik an der städtischen Musikschule in Potsdam. Beide wirkten bereits an zahlreichen Alben und Filmmusiken mit. Sebastian arbeitete außerdem gemeinsam mit dem Multiinstrumentalisten, Komponisten und Produzenten Ólafur Arnalds – seinerseits mit dem BAFTA ausgezeichnet – und dem Geiger und Arrangeur Viktor Arnason an einem virtuellen Instrument für Spitfire Audio. Auch interpretierten sie zunächst Arbeiten von Peter Broderick, Carlos Cipa und Lambert und veröffentlichten dann mit The Grunewald Church Session von 2016 und Concrete Fields von 2017 zwei eigene Alben beim renommierten Label 1631 Recordings.

Zurzeit präsentieren CEEYS ihr drittes Album WÆNDE, in dem sie sich mit dem Umbruchsjahr 1989 beschäftigen.



Dieses Album enthält kein Booklet

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