Album Info

Album Veröffentlichung:
2021

HRA-Veröffentlichung:
14.05.2021

Label: Berlin Classics

Genre: Classical

Subgenre: Concertos

Interpret: Matthias Kirschnereit, Frankfurt Radio Symphony & Michael Sanderling

Komponist: Johann Nepomuk Hummel (1778-1837), Carl Maria von Weber (1786-1826), Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)

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FLAC 48 $ 13,70
  • Johann Nepomuk Hummel (1778 - 1837): Piano Concerto No. 2 in A Minor, Op. 85:
  • 1Piano Concerto No. 2 in A Minor, Op. 85: I. Allegro moderato16:27
  • 2Piano Concerto No. 2 in A Minor, Op. 85: II. Larghetto04:30
  • 3Piano Concerto No. 2 in A Minor, Op. 85: III. Rondo. Allegro moderato12:22
  • Carl Maria von Weber (1786 - 1826): Concert Piece in F Minor, Op. 79:
  • 4Concert Piece in F Minor, Op. 79: Larghetto affetuoso - Allegro passionato09:48
  • 5Concert Piece in F Minor, Op. 79: Adagio - Tempo di Marcia - Presto giojoso07:32
  • Felix Mendelssohn (1809 - 1847): Capriccio brillant, Op. 22:
  • 6Capriccio brillant, Op. 22: Andante02:30
  • 7Capriccio brillant, Op. 22: Allegro con fuoco09:02
  • Total Runtime01:02:11

Info zu Hummel - Weber - Mendelssohn

Mit einem packenden und mitreißenden Programm blicken Matthias Kirschnereit und das hr-Sinfonieorchester unter Michael Sanderling auf die Zeit am Ausgang der Klassik, hinein ins Vorzimmer der Romantik. Zwischen den Stühlen – und das im positivsten Sinne – befinden sich die Kompositionen von Johann Nepomuk Hummel, Carl Maria von Weber und Felix Mendelssohn-Bartholdy. Diesen musikalischen Wagemut macht Matthias Kirschnereit auf seinem neuen Album hörbar: „Mich lockte die Tatsache, dass diese seltenen Juwelen in einer Zeit entstanden, die von einem Umbruch, einer Neuorientierung gekennzeichnet war.“

Nach über 40 CD-Einspielungen kann es dem deutschen Pianisten nicht hoch genug angerechnet werden, dass er sich auch weiterhin seinen musikalischen Entdeckergeist beibehalten hat. Dieser trieb ihn zu diesem interessanten Programm, in dessen Zentrum das Hummel’sche Klavierkonzert a-Moll, op. 85 steht, das von Webers Konzertstück f-Moll, op. 79 und Mendelssohns Capriccio brillant h-Moll, op. 22 begleitet wird. Alle Werke, deren Zusammenspiel von inneren Bezugnahmen, Anspielungen und Querverweisen lebt, eint dabei auch, dass sie auf den Bühnen nur selten zu hören sind. „Es gibt so viel spannende Musik, die in Vergessenheit geraten ist. Ich suchte hier eine neue Kombination“, erzählt Matthias Kirschnereit. Mit dem Dirigenten Michael Sanderling hat er bereits häufig zusammengearbeitet; hier nun war Sanderling sein Wunschkandidat: „Die Werke, die auch für Orchester eine große Herausforderung darstellen, verlangen ein hohes Maß an Präzision, Virtuosität und eleganter Klangrede“.

Das Album beginnt mit dem a-Moll-Klavierkonzert des Mozart-Schülers Hummel, dessen „ausladende, sinfonisch konzipierte Orchesterexposition noch ganz dem Vorbild etwa des dritten Beethoven-Konzerts folgt, um dann im Stile der romantischen Solistenkonzerte à la Chopin das Geschehen weitestgehend dem Klavier zu überlassen“, wie Kirschnereit erläutert. Vor allem Frédéric Chopins erstem Klavierkonzert dürfte Hummels op. 85 als Vorbild gedient haben: „Die belcantoartigen, eleganten Koloraturen des 1. und 2. Satzes deuten auf Chopins fantasievollen Klavierstil hin. Robert Schumann hat sich bekanntlich intensiv mit diesem Konzert auseinandergesetzt: Immerhin steht sein einziges Klavierkonzert ebenfalls in a-Moll, der intermezzohafte Mittelsatz wie bei Hummel in F-Dur... Hummel war ein Superstar seiner Zeit, eine charismatische, großherzige Natur – und er unterstützte zuweilen Beethoven finanziell.“ Carl Maria von Weber vollendete sein Konzertstück für Klavier und Orchester f-Moll op. 79 am 18. Juni 1821, am Morgen der triumphalen Uraufführung seiner Oper „Der Freischütz“ in Berlin. „Der ‚Freischütz‘ ist omnipräsent“, so Matthias Kirschnereit. „Allerorten höre ich Agathes Arien, Szenen in der Wolfsschlucht, jubelnde Chöre! Das Werk ist zukunftsweisend, es kommt aus einem Guss daher und doch wie eine freie Fantasie.“ Schließlich zu Felix Mendelssohn Bartholdy überleitend: Sein Capriccio brillant hat wiederum Webers Konzertstück zum Vorbild. Er spielte es häufig, es zählte zu seinem Kernrepertoire. Wie das Webersche Konzertstück ist es für mich naturhaft inspiriert, ich erlebe hier Szenen des ‚Sommernachtstraums‘ oder der ‚Walpurgisnacht‘. „Glück, Jubel wie auch Verzweiflung und innere Zerrissenheit definieren beide Komponisten mit extrem schnellen Tempi. Ein jugendlich genialisches, verwegenes Draufgängertum!“

Die Zusammenarbeit mit Sanderling und dem hr-Sinfonieorchester kann man nur als glückliche Fügung bezeichnen: „Diese Session ließ das vergangene Corona-Jahr mit einem beglückenden Highlight ausklingen.“ Und so mag diese Musik, die trotzig-optimistisch schon vor 200 Jahren den Geist einer neuen Epoche heraufbeschwor, uns auch heute einen vorfreudigen Blick in die Zukunft schenken.

Matthias Kirschnereit, Klavier
Radio-Sinfonie-Orchester Frankfurt
Michael Sanderling, Dirigent




Matthias Kirschnereit
pflegt den schönsten Zugang zur Musik, den man sich denken kann: Er ist dem Empfindungsreichtum, dem Atem und damit überhaupt den menschlichen Zügen der Musik auf der Spur. Und diese Wege geht er dann, nach ausgiebiger Analyse und umfangreichem Repertoirestudium, letztlich doch »rein intuitiv«, wie er sagt. Die FAZ schrieb: »Er ist ein Ausdrucksmusiker par excellence, der mit seinem Klavierspiel die spezifisch deutsche Klavierkunst fortsetzt.« Tatsächlich führt die Reihe seiner Lehrer über Renate Kretschmar-Fischer, Conrad Hansen, Edwin Fischer, Martin Krause direkt zu Franz Liszt.

Seine musikalischen Hausgötter finden sich dementsprechend vor allem in der deutschösterreichischen Romantik: Schumann und Mendelssohn Bartholdy, Schubert und Brahms – das ist vor allem neben Mozart, aber auch neben Chopin und Rachmaninow seine Welt. Genau damit hat sich Matthias Kirschnereit in die Belle Etage der Pianistenzunft gespielt. Allein seine inzwischen rund 25 CD-Einspielungen werden in schöner Regelmäßigkeit mit Lob überschüttet. Die Neue Zürcher Zeitung schrieb 2006 anlässlich der Neueinspielung sämtlicher Mozart-Konzerte: »Die Entdeckung des Mozartjahres heißt Matthias Kirschnereit«. Seiner Schumann-Aufnahme »Scenen« attestierte das englische Fachmagazin »Gramophone« »Einfühlungsvermögen und Gedankenreichtum«. Und für die Weltersteinspielung von Mendelssohns 3. Klavierkonzert erhielt er 2009 einen ECHO-Klassik.

Trotz des Ruhmes, den Matthias Kirschnereit längst auch international auf seinen umfangreichen Tourneen genießt, sind ihm jegliche Star-Allüren fremd. Schließlich will er seinen Zuhörern einfach nur »etwas von diesen wunderbaren musikalischen Genieleistungen vermitteln.« Das gelingt ihm nicht nur in Solo-Recitals und in Orchesterkonzerten mit etwa den St. Petersburger Philharmonikern, den Bamberger Symphonikern und dem Tonhalle Orchester Zürich. Seit langem ist er auch ein begeisterter Kammermusiker, der in jüngerer Zeit mit Musikern wie dem Violinisten Christian Tetzlaff, der Klarinettistin Sharon Kam, dem Cellisten Adrian Brendel sowie dem Vogler-, dem Minguet- und dem Szymanowski-Quartett musizierte.

Dabei ist es angesichts seiner ungewöhnlichen Biographie nicht selbstverständlich, dass Matthias Kirschnereit überhaupt so weit gekommen ist. Erst mit 14 Jahren begann er sein erstes ordentliches Klavierstudium an der Detmolder Musikhochschule. Ein Alter, in dem andere Talente schon ihre ersten Klavierwettbewerbe hinter sich haben. »Ich bin auf den allerletzten Zug für eine Pianistenkarriere aufgesprungen.« Denn Matthias Kirschnereit hatte zuvor fünf Jahre lang in Namibia gelebt – wo an eine ordentliche Klavierausbildung nicht zu denken war.

1971 war er neun Jahre, als er mit seiner Familie nach Afrika zog. Und der Kontrast zu dem Ort, den er verließ – die romantische Laubwaldregion um den Plöner See in SchleswigHolstein – konnte damals nicht größer sein. So schnell der junge Matthias Kirschnereit von der vollkommen anderen Kultur fasziniert war, so wusste er irgendwann, dass er seinen Wunschtraum von einer Pianistenkarriere wohl doch nur in Deutschland realisieren kann.

Mit dem Einverständnis seiner Eltern kehrte er 1976 allein zurück und wurde in Detmold Jungstudent bei Renate Kretschmar-Fischer. »Zuerst war ich schockiert, als ich sah und hörte, was meine Alterskollegen bereits alles spielen konnten.« Um das Versäumte nachzuholen und sich nur auf die Musik zu konzentrieren verließ er mit 16 Jahren sogar die Schule. An einen Satz, den ein empörter Studienrat ihm zum Abschied nachrief, kann er sich noch immer allzu gut erinnern: »Solche Leute kennen wir, der wird später Klavierlehrer in Barntrup.«

Doch der Lehrer irrte: Matthias Kirschnereit wurde mehrfacher Preisträger bei Wettbewerben wie dem Concours Géza Anda in Zürich. Zu seinen Mentoren zählten Murray Perahia, Claudio Arrau, Bruno Leonardo Gelber und Sandor Végh. Er gibt jährlich etwa 50-60 Konzerte, dazu ist er seit 1997 Professor an der Hochschule für Musik und Theater Rostock. Damit folgt er seinem Ideal, das Erlebte und Erfahrene an kommende Musikergenerationen weiter zu geben. In seiner Freizeit interessiert er sich für Malerei, Fußball und Italienische Küche und lebt heute mit seiner Familie in Hamburg. (Portrait von Guido Fischer)



Dieses Album enthält kein Booklet

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